Datensammlung und erste Ergebnisse zur Herstellung eines maßstäblichen Gleises nach preußischem Vorbild

In MIBA 11/98, ab Seite 54, stellt Thomas Becker unter anderem die preußische Oberbauart  von 1902 bzw. 1910/1911, mit Schienen der Form 6e und 7e, vor und veranschaulicht die Unterschiede der Schwellenanordnungen.

 

In MIBA 11/2001, ab Seite 82, stellt Bertold Langer unter anderem eine preußische 1:9 Weiche vor.

Er benennt als Relikt aus dieser Epoche die Bahnanlage Böhme der Verden-Walsroder Eisenbahn und zeigt in diesem Artikel ein s/w-Foto einer Weiche und eines Gleisstücks dieser Bahn. (hier seitenrichtig)

Ich kannte diese kleine Station ganz gut, da ich jahrelang in der Gegend lebte und arbeitete und häufig dort vorbei fuhr. Aber wie es so geht, habe ich über die Vergänglichkeit solcher Anlagen nie wirklich nachgedacht. Erst nach diesem Artikel habe ich einige Fotos und Messungen gemacht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gleise allerdings massiv zugewachsen, sodass die Fotos keinen Überblick, sondern immer nur Details verdeutlichen können.

 

Gleis

 

In Böhme sind die Schwellen lediglich 25 cm breit und ca. 254 cm lang. 

Der Schwellenabstand beträgt 60 cm im Bereich der Gleis-enden für jeweils 2 x 2 Schwellen, sonst 72 cm. Schwebender Stoß über Schwellenzwischenraum von 30 cm. Immer zwischen den Schwellenmitten gemessen.

Die Schienen in Böhme haben noch ein Profilhöhe von 12 cm. Vermutlich waren sie ursprünglich der Typ 6 mit 134 mm Profilhöhe. Die äußere Kante ist scharfkantig abgefahren.

Die Platten unter den Schienen (Schienenstühlchen)  sind 14,5 X 20 cm groß und 2,5 cm dick. Sie haben eine Schwächung zur Führung des Profilfußes.

Die Befestigungsschrauben sind insgesamt ca. 5 cm hoch im sichtbaren Bereich. Der Vierkant misst 3 X 2 cm.

Bemerkenswert sind die Schienenverbindungen, ein Winkeleisen mit Aussparungen für die Schienenschrauben, seltsamerweise länger als nötig mit acht dieser Aussparungen.

Es sieht so aus als wenn hier zwischen den Schwellen auch ein Wanderschutz in die Tiefe geht (??).

 

Im Bahnhof Brockel besteht noch ein Rest der ursprünglichen Gleisanlage von 1906. Die Schienen stammen aus 1898. Es handelt sich um den  Rest eines abzweigendes Ladegleis, im Anschluss an eine jüngere Weiche, das stellenweise von einem Birkenwäldchen überwuchert ist und im Verlauf, nach einer Gleiswaage in einer Asphaltdecke endet. Die Schwellenabstände sind wie oben.

 

Da die oben gezeigten Schwellenlagen der Bauart von 1902 entsprechen, beschränke ich mich auf diese für die Verwendung auf meinen Modulen mit Motiven aus der Umgebung (im Bau).

Die 18 m - Variante kam vermutlich nur an Orten geringer Temperaturschwankungen zur Anwendung, wie in Tunneln oder Gebäuden. Andererseits fehlt oben eine 15 m Ausfertigung, denke ich.

Probehalber hatte ich mir mal eine kleine Menge dieses 'Schwellenrostes' aus 2 mm Sperrholz lasern lassen.

 

Das würde ich heute wie hier gezeigt ändern. Der schwebenden Schienenstoß in der Mitte ermöglicht dann die freie Wahl der Gleisstücklängen ( 10, 12 und 15 m), indem man 2 oder 3 Schwellen von einem Enden her abschneidet.

In der Zwischenzeit habe ich erneute Änderungen vorgenommen und im Forum Eisenbahnmodellbau veröffentlicht.

Mein allerschönstes preußisches Gleis, nach einer Zeichnung der Schwellenlagen von 1902.

 

Ich vermute keiner außer mir will oder braucht ein Gleismodell nach preußischem Vorbild. Unverständlich, weil dies Gleis alle Zeiten überdauert hat und in Relikten auch heute noch anzutreffen ist.
Sehen Sie also dies bitte nicht als Werbung an, sondern als Konstruktionsbericht.

Wolfgang Uhl’s (
) kompakte Analyse, des für das bayerische Gleis Vorhandenen, war der Auslöser meine bisherigen Aktivitäten zu überdenken. Ich hatte alle von ihm aufgeführte Möglichkeiten im Lauf der Jahre selbst ausprobiert, mich dann aber entschieden bei Unterlagsplatten in Messingguß zu bleiben.

Sie erinnern sich an meine vorhergehende Version mit den kräftigen Zapfen. Das hat insofern gut funktioniert, als zumindest die Montage relativ einfach wurde. Was unbefriedigend blieb war die zu dicke und sich nach wie vor leicht verbiegende Platte.

Das Dilemma war die von der Gießerei minimal geforderten Materialstärke von ~ 0,35 mm. Das sind nun mal für die Unterlagsplatte (heißt in den Musterblättern so - Kleineisen klingt netter) zu viel, auch optisch wie ich finde. Maßstäblich sind 0,1 mm für die Fläche unter dem Gleis und bis zu 0,18 mm für die Ränder mit den Schwellenschrauben.

Diese vorgegebene minimale Materialstärke gilt zwar generell, aber man kann sie umgehen.
Z.B. bei Trittstufen mit Rautenmuster gibt es wesentlich feinere Strukturen, die im Guss kaum Schwierigkeiten bereiten. Das heißt, man kann sehr wohl feine Grate und Kanten darstellen, nämlich immer dann, wenn sie mindestens in einer Ebene an kompaktere Teile angrenzen.

Ich habe mich also an mein ‚Reissbrett’ gesetzt und erstmal eine maßstäbliche Unterlagsplatte gezeichnet.

 
Das ganze Teil hat eine Grundfläche von 1,9 x 2,3 mm.

Die Abstände der Schraubenköpfe von der Platte sind ein notwendiger Kompromiss für die hierfür berücksichtigten Profile, Code 60 – Märklin oder eventuell auch Code 40 – Atlas.
Wohlgemerkt, wir bewegen uns hiermit bei 0,2 mm, im Modell kaum noch erkennbar, als Hohlform nicht messbar und nur mit Schablonen zu kontrollieren. Der etwa 0,3 mm breitere Fuß des Code 40 Profils konnte nicht berücksichtigt werden. Wenn man aber bereit ist, den Fuß des Profils etwas abzuziehen, geht es wieder. Was der Optik des Profils übrigens gut bekommt. Größere Profile mit entsprechend überdimensionierten Profilfüßen gehen noch viel weniger, es sei denn man akzeptiert eine Verbreiterung der Platte über die Maßstäblichkeit hinaus.

Und dann habe ich einen wesentlich größeren Unterbau gezeichnet, der 0,1-0,3 mm von den Rändern her beginnt und die ganze Platte abstützt. Auf diese Art funktioniert der Guß.
Dieser ‚Zapfen’ wird dann in die Tiefe nochmal dünner, um nicht die ganze Schwelle zu schwächen. Eine Körnung ermöglicht ein Kabel ggf. in eine Bohrung zu löten oder um das gesamte ‚Kleineisen’ nochmal wieder für Korrekturen von rückwärts rauszudrücken. Positiver Nebeneffekt: es gibt keine Verbiegungen der Platte mehr. Beide Teile unter der Platte sind zusammen genau 2,0 mm hoch.

 

Der untere runde Bolzen schließt auf der Rückseite bündig mit der Unterlage ab. Das Kleineisen kann also nicht zu tief gedrückt werden.

Das zugehörende Schwellenrost aus Sperrholz wird beim lasern in der entsprechenden Höhe graviert (rot) oder durchtrennt (schwarz)

 

und sieht dann so aus.

 

Diese Sperrholzplatine muß man auf genau 2 mm plan schleifen. Die feinen Ränder der Kleineisen verdecken das gelaserte Loch und dienen als Auflage auf der Schwelle.

 

 

Gußtechnisch ist das ganze trotzdem nicht ganz unkritisch. Wer sich vorstellen kann, was mit den feinen Nuten im Formgips passiert, wenn das glühend-heiße Messing durch die Form tobt, weiß was ich meine. Da kann schon mal ein Stückchen Gips abgerissen werden und an ganz anderer Stelle landen.
Wider aller Erwartung sind die Teile aber überwiegend brauchbar.

 
 

Weiche (Zukunftsmusik)

Anders als in den Zeichnung, aber wie im ersten Bild zu sehen ( ganz oben), ist unter dem Herzstück auch eine Platte, wie die Platten unter den Zungen. Das Herzstück selbst ist ein Gußteil; nicht wie sonst aus zwei angeschliffenen Profilen zusammen gesetzt.

 

Die Platte unter den Gleitstühlen im Bereich der Zungen sind 40 cm breit und ca. 6 m lang.

Die erste, breiter Platte habe ich nicht gefunden und nicht gemessen.

Die Zungen sind kein Schienenprofil im ursprünglichen Sinn, sondern bestehen aus Vierkanten in der Kopfbreite durchgehen bis zur Platte, also keine Form mit Steg.

 

Die Radlenker gegenüber dem Herzstück sind 350 cm lang, an den Enden aufgebogen und werden durch Abstandshalter bei 42, 135, 216 und 305 (jeweils Mitte von ca. 20 cm) am Gleis gehalten. Weiter siehe Fotos.

 

 

 

Die Weichenzungen werden durch Anschläge am Ausweichen in der beweglichen Zone begrenzt. Davon gibt es verschiedene Versionen die auf jeweils 2 Schwellen angebracht sind. Der erste Anschlagstyp liegt bei 4 m ab Zungenspitze, wiederholt auf der nächsten Schwelle. Dann folgt 2 X der schmalere Typ

Nach langen Überlegungen und Planung der Bahnhofsmodule habe ich mit dem Bau der benötigten 6 weichen begonnen. Nachdem mir Heiner Tondorf flache, 0,3mm tiefe Gravuren für das Gleisrost anbot entstanden diese wie hier zu sehen.
Bei dieser speziellen preußischen Weiche waren die Zungengleitbahnen und das Herzstück auf Platten montiert, zusammen mit den Klemmplatten, Stützknaggen usw. Auch die Gleisschauben für die Befestigung in den Schwellen war auf diesen Platten. Es bot sich daher an, diese Baugruppen auch so zu gestalten.

Zum einen ist die Montage in die gravierten Vertiefungen recht einfach; die Einzelteile müssen nicht mehr Stück für Stück am Gleisprofil angebracht werden. Stattdessen werden die Profile nur mehr wie bei den Kleineisen durchgefädelt. Zum anderen bestanden die Weichenzungen und das Herzstück bei dieser Weiche nicht aus gängigen Profilen, sondern aus Gussteilen mit rechteckigem Querschnitten plus Fuß. Also warum nicht nachmachen und auch im Modell Gussteile verwenden.

Hier nun die Teile im Einzelnen.
Herzstück
Diese Bauteile, e.g. das Herzstück, sind so konstruiert, das die Weiche nur mit Code 60 Profilen gebaut werden kann und nur mit 0,33 mm hohen Radreifen befahren werden können.
Radlenker
Gleitbahnen
 
Zur Zeit sind diese Teile alle in der Produktion. Sobald ich eine Weiche fertig montiert habe, folgt hier der Bericht
 

.